Therapiemanagement

Interdisziplinäres Therapiemanagement

Patient im Mittelpunkt

Interdisziplinäres Therapiemanagement

(Aszug aus COPD in Deutschland Sommer 2017, zur PDF)

Zu Beginn verläuft die idiopathische Lungenfibrose oft ohne Symptome. Erst im späteren Stadium treten Beschwerden auf: Klassische Symptome der IPF sind chronischer, trockener Husten und Atemnot bei Belastung. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt diese Atemnot auch im Ruhezustand auf. Schreitet die Krankheit weiter fort, bilden sich bei einigen Patienten sogenannte „Trommelschlegelfinger“. Dabei werden die Fingerspitzen breiter und das Nagelbett verdickt sich. Dieses Phänomen wird auch als „Uhrglasnägel“ bezeichnet.

Auch wenn die Ursachen der IPF unbekannt sind, so gelten insbesondere das Rauchen, Umwelteinflüsse wie etwa Feinstaubbelastung oder mikrobielle Erreger sowie genetische Faktoren als Risikofaktoren.

Eine frühe Diagnose erhöht die Überlebenschancen

Gerade in frühen Stadien wird die idiopathische Lungenfibrose häufig nicht erkannt. „Im Durchschnitt vergehen bis zur Diagnose 2,2 Jahre“, erklärt Professor Dr. Michael Kreuter, Oberarzt im Bereich Innere Medizin und Pneumologie an der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg. „Dabei ist es wichtig, die IPF früh zu erkennen. Denn dadurch steigen die Überlebenschancen.“

Auch Dr. Alexander Rupp, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie in Stuttgart, betont die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose. Oft werde der Lungenarzt zu spät aufgesucht, obwohl der Patient bereits Beschwerden habe, sagt Rupp. Teilweise werde aber bei der Untersuchung von IPF-Patienten auch das Stethoskop zu wenig genutzt. „Es ist wichtig, dass der Arzt bei der Untersuchung die Lunge abhört“, erklärt Rupp. „Denn dabei ist bei vielen Patienten ein ‚Knister-Rasseln‘ zu hören, ähnlich dem Geräusch eines sich öffnenden Klettverschlusses. Dieses Geräusch ist ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche IPF.“

Es ist wichtig, dass der Arzt bei der Untersuchung die Lunge abhört!

Interdisziplinäres Therapiemanagement

Um Exazerbationen zu verhindern und die IPF bestmöglich zu behandeln, setzen Ärzte nicht nur auf Medikamente, die das Risiko akuter Verschlechterungen reduzieren. Auch der interdisziplinären, d.h. fachübergreifenden Therapie und damit der „Rundum-Betreuung“ des Patienten kommt eine immer wichtigere Rolle zu. Ein Beispiel für eine solche Betreuung ist die Zusammenarbeit des Heidelberger Lungenspezialisten Professor Dr. Michael Kreuter, des Stuttgarter Facharztes Dr. Alexander Rupp und der Heidelberger ILD-Krankenschwester Marianne Seiter. Alle drei sind davon überzeugt, dass die gemeinsame Betreuung des Patienten durch den Hausarzt, den Lungenfacharzt, das Lungentherapiezentrum und die Krankenschwester einen bestmöglichen Therapieerfolg bringt.

„Patienten mit IPF leiden an einer sehr komplexen Erkrankung mit vielen Facetten“, erklärt Prof. Kreuter. „Daher ist die gute Zusammenarbeit zwischen betreuendem Lungenfacharzt und ILD-Zentrum, das optimalerweise neben dem ärztlichen interdisziplinären Team auch die psychosoziale Komponente, beispielsweise durch eine ILD-Krankenschwester abdecken kann, so essenziell.“

ILD-Krankenschwester Marianne Seiter, li. und Kollegin

Denn krank, so Kreuter, sei nicht nur die Lunge, sondern der ganze Mensch. Auch Dr. Alexander Rupp ist von der Bedeutung einer interdisziplinären Therapie überzeugt. „Wir benötigen als niedergelassene Pneumologen eine enge und reibungslose Zusammenarbeit mit der Klinik“, so Rupp. Kliniken mit einer entsprechenden ILD-Ambulanz könnten selten auftretende Veränderungen in Summe viel häufiger erkennen als ein niedergelassener Pneumologe. „Für den Patienten können dadurch häufig invasive, bronchoskopische und möglicherweise nebenwirkungsreiche Abklärungen vermieden werden.“

Bei diesem interdisziplinären Ansatz, so Rupp, sei auch die Mitarbeit des Patienten gefragt. So sei eine regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig. Außerdem müsse der Patient ein Bewusstsein und eine Sensibilität für seine Symptome und mögliche Veränderungen der Symptomatik entwickeln

IPF-Patient muss ein Bewusstsein und eine Sensibilität für seine Symptome entwickeln

Text: Caroline Friedmann / Sabine Habicht Quellen: PK „Interdisziplinäres Therapiemanagement – Der Patient im Fokus“, 24.3.2017 im Rahmen des 58. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin 2017 in Stuttgart, Veranstalter: Boehringer Ingelheim

per definitionem…

ILD = Interstitielle Lungenerkrankung (Interstitielle Lung Disease). Hierbei handelt es sich um eine Gruppe verschiedenster Lungenerkrankungen, die das Zwischengewebe der Lunge (Interstitium) und die Lungenbläschen (Alveolen) umfassen. Die Ursachen für ILDs sind sehr vielfältig und werden in bekannte und unbekannte Ursachen unterteilt.

Die idiopathische Lungenfibrose ist eine Erkrankung innerhalb der Gruppe der interstitiellen Lungenerkrankungen.

IPF-Forschung

Schon heute werden IPF-Patienten mit den Wirkstoffen Nintedanib und Pirfenidon behandelt. Beide Wirkstoffe – das zeigen zahlreiche Studien – haben einen deutlichen Effekt auf den Erhalt der Lungenfunktion und bremsen das Fortschreiten der IPF deutlich aus. Doch auch Wirkstoffe auf Zellebene werden derzeit erforscht. Sie sollen verhindern, dass sich – wie im Falle der IPF – überhaupt Bindegewebszellen in der Lunge bilden. Unterschiedliche Therapieansätze sollen in Zukunft zeigen, welche Wirkstoffe in welcher Kombination besonders erfolgversprechend sind.


…mehr Wissen

►             www.lungenfibrose.de

Internetseite des Selbsthilfeverbandes Lungenfibrose e.V. (Lufi e.V.). Hier finden Sie Adressen von Ansprechpartnern / Selbsthilfegruppen und erhalten vielfältige Hintergrundinformationen.

►             www.copd-deutschland.de

Der Ratgeber „Idiopathische Lungenfibrose“, letzte Aktualisierung 08/2015, des COPD – Deutschland e.V. und der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland mit Basisinformationen zur Lungenfibrose und speziell zur idiopathischen Lungenfibrose kann online auf www.lungenemphysem-copd.de gelesen oder über www.copd-deutschland.de bestellt werden. Beachten Sie die dort hinterlegten Versandinformationen.

►             www.fightipf.de

Internetseite der Roche AG. Hier erhalten Sie Informationen, die Mut machen sollen, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Patientengeschichten, Erläuterungen von Experten zu Behandlungsoptionen und nützliche Links.

►             www.soundsofipf.de

Internetseite von Boehringer Ingelheim. Neben Informationen, Patientengeschichten  Experteninterviews können Sie sich hier die verschiedenen Lungengeräusche, insbesondere das typische Knisterrasseln, was auf eine IPF hinweist, anhören.

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