Husten

Husten – ein mögliches Symptom bei IPF

Von der Symptomatik zur Therapie

Nur ein bisschen Husten…?!

(Zeitschrift COPD in Deutschland Frühjahr 2017, zur PDF)

Husten begegnet uns im Alltag recht häufig, denn Husten ist zunächst ein wichtiger Schutzmechanismus und Reinigungsreflex unseres Bronchialsystems. Husten kann jedoch auch ein Symptom für Erkrankungen sein.

Bei einer COPD zählt Husten, neben Auswurf und Atemnot, zu einem der drei Hauptsymptome.

Im Gespräch mit Dr. Peter Kardos, niedergelassener Facharzt in der Lungenpraxis an der Klinik Maingau in Frankfurt und Koordinator der Wissenschaftlichen Leitlinie „Akuter und chronischer Husten, Diagnostik und Therapie von Erwachsenen Patienten“ erfahren wir mehr über die Symptomatik Husten.

Warum entwickelt sich die Symptomatik „Husten“?

In der Schleimhaut der Luftröhre und der Bronchien befinden sich zahlreiche Hustenrezeptoren, oder auch Hustenfühler genannt, die auf entsprechende Reize wie Schleim, Staub, Fremdkörper ansprechen und den Hustenreflex auslösen. Hustenrezeptoren sitzen übrigens auch in der Nase, im Gehörgang und im Magen.
Bei einem Erkältungshusten entsteht der Husten jedoch durch eine entzündlich bedingte Überempfindlichkeit der Hustenrezeptoren und/oder eine Ansammlung von Schleim.

Bei einer COPD ist das physiologische Reinigungssystem der Atemwege gestört. Die kontinuierliche Einatmung von Schadstoffen – bei COPD ist es meistens Nikotin – zerstört langfristig die Bronchialschleimhaut.

Frauen haben grundsätzlich einen empfindlicheren Hustenreflex als Männer – auch bei Gesunden. Bei einem Test z.B. mit Zitronensäure lässt sich feststellen, dass Männer und Frauen verschiedene Auslöseschwellen bei der Reizung haben. Männer husten später und erst bei höheren Konzentrationen von Zitronensäure.

Husten kann durch viele Ursachen ausgelöst werden, sei es durch COPD oder andere Erkrankungen wie Linksherzschwäche, obstruktive Schlafapnoe, Bronchiektasen – um nur einige zu nennen. Worauf sollten Patienten bei vorliegendem Husten achten?

Husten allgemein zählt zu einem der häufigsten Gründe, warum Menschen einen Arzt aufsuchen. Interessanterweise zählen hierzu jedoch nicht die Raucher. Dies konnten wir bereits vor 20 Jahren anhand einer Studie feststellen. Lediglich 5 % der Patienten, die mit Husten unklarer Ursache in die Praxis gekommen waren, waren Raucher. Obwohl alle Raucher, wenn sie lange genug rauchen, husten, betrachten sie dies als den „normalen“ Zustand.

Kommen wir zurück zur Symptomatik des Hustens an sich. Meist ist die Ursache für Husten harmlos wie z.B. bei einer Virusinfektion. Dauert ein Husten jedoch länger als 8 Wochen, so bezeichnen wir den Husten als chronisch und dessen Ursache sollte unbedingt – zunächst durch den Hausarzt – geklärt werden. Erhöhte Aufmerksamkeit gilt es bei einem Auftreten weiterer Anzeichen zu haben, wie etwa Blut im ausgehustetem Sekret, Atemnot, hohes Fieber oder Gewichtsverlust.

Die Diagnostik des chronischen Hustens erfolgt im ersten Schritt über eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs sowie eine Lungenfunktionsmessung. Auffällige Erkrankungen wie beispielsweise eine Tuberkulose, Lungenkrebs, falls deutlich fortgeschritten, eine COPD oder eine Lungenfibrose können durch diese Maßnahmen bereits entdeckt werden.

Nicht selten bleibt die Ursache jedoch zunächst unentdeckt, da diese – wie bereits an der Fragestellung erkennbar – vielfältig sein können. Eine Überweisung zur weiteren Abklärung zu einem kundigen Facharzt wie z.B. einem Lungenfacharzt sollte dann erfolgen.

Es ist oft nicht einfach, die Ursache für den chronischen Husten zu finden. So kann z.B. bereits eine verlegte Nasenatmung oder eine chronische Rhinusinusitis (eine Entzündung der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen) zu einer Verstärkung der Empfindlichkeit des Hustenreflexes und damit zum vermehrten Husten führen.

Auch kann die Überempfindlichkeit des Hustenreflexes durch Medikamente verstärkt werden. Hierzu zählt beispielsweise die Substanzklasse der Blutdruck senkenden ACE-Hemmer. Allerdings weisen nur etwa 10 % der Patienten, die diese Medikamente einnehmen, die Nebenwirkung Husten auf.

Neben ACE-Hemmern können eine ganze Reihe anderer Medikamente Husten auslösen. Wenn die Ursache eines Hustens nicht erklärbar ist, kann das Register www.pneumotox.com zu Rate gezogen werden, da hier alle publizierten Daten über Auswirkungen der Medikamente auf die Lunge – darunter auch den Husten – verzeichnet sind. (Hinweis: Das Register wird in englischer Sprache geführt.)

Lange Zeit hat man auch gedacht, dass Patienten mit Sodbrennen aufgrund der aufsteigenden Magensäure und Reizung der Schleimhaut husten. Inzwischen wissen wir, dass von den Milliarden Menschen, die Magensäureprobleme (Reflux) haben, tatsächlich nur ein ganz geringer Teil so empfindlich ist, dass die Säure den Husten triggert (auslöst).

Die genannten Beispiele verdeutlichen, wie schwierig es manchmal sein kann, die Ursache eines chronischen Hustens zu diagnostizieren.

Welche Rolle spielt Husten bei COPD?

Grundsätzlich sei gesagt, dass nicht alle COPD-Patienten husten, bestenfalls sind es etwa die Hälfte der Patienten.

COPD-Patienten, die husten, haben vorwiegend das Erscheinungsbild (Phänotyp) einer chronischen Bronchitis. Der Emphysem-Phänotyp, mit dem vorwiegenden Merkmal einer Überblähung der Lunge und Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung (blaue Lippen und Finger), hingegen hustet in der Regel nicht – außer wenn gerade ein Infekt vorliegt.

Auslöser für den Husten des chronisch bronchitischen Phänotyps kann die vermehrte Schleimbildung oder die Reizung der in den Bronchien befindlichen Schleimdrüsen sein. Husten, der mit Auswurf von Sekret einhergeht, wird als produktiver Husten bezeichnet.

Bei COPD-Patienten handelt es sich meist um produktiven Husten, deutlich weniger Patienten leiden unter einem unproduktiven Husten mit festsitzendem Sekret. Das Sekret kann bei diesen Patienten nicht durch die Bronchien nach Außen transportiert werden, da diese ihren Flimmerhärchenbesatz aufgrund der chronischen Erkrankung verloren haben, die Bronchialwände instabil geworden sind und bereits bei leichtem Husten zusammenfallen.

Welche Möglichkeiten bietet eine Atemphysiotherapie bei Husten?

Spezielle physiotherapeutische Techniken können sowohl bei produktivem als auch unproduktivem Husten eingesetzt werden. Bei unproduktivem Husten mit festsitzendem Schleim können z.B. Maßnahmen wie das Atmen gegen einen Widerstand wie die geschlossene Faust, spezielle Lagerungen oder entsprechende Geräte, die einen Druck in den Bronchien bei der Ausatmung aufrecht erhalten, damit der Bronchus offen bleibt und das Sekret transportiert werden kann, eingesetzt werden.

Die verschiedenen physiotherapeutischen Maßnahmen sind, wenn auch etwas aufwändig, häufig sehr erfolgreich und müssen zum Teil vom Patienten erlernt und dann selbst angewendet werden.

Die Behandlungen bzw. Anleitungen sollten von einem spezialisierten Atemphysiotherapeuten vorgenommen werden. Es ist wichtig, dass der Physiotherapeut die anzuwendenden Techniken erlernt hat und diese beherrscht.

Über die Internetseite der Deutschen Atemwegsliga e.V. – www.atemwegsliga.de – sind Adressen von Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung „Atemphysiotherapie“ zu finden.

Leider haben wir derzeit bundesweit noch zu wenige Atemphysiotherapeuten.

Falls eine pneumologische Rehabilitation indiziert ist, bietet sie immer auch die Möglichkeit zur qualifizierten Atemphysiotherapie in einer pneumologischen Rehabilitationsklinik.

Eine weitere Problematik ambulanter Atemphysiotherapie zeigt sich leider in der Verordnung dieser Maßnahmen. Das zur Verfügung stehende ärztliche Budget ist hierfür äußerst eng. Mein Budget erlaubt eine Atemphysiotherapie mit 6 Sitzungen für jeden 300. Patienten zu verschreiben. Viele Lungenärzte haben derzeit Probleme mit ihren Budgets für Atemphysiotherapie.

Wann kann die Unterstützung durch Hustentherapeutika, Husten- und Schleimlöser oder Phytopharmaka sinnvoll sein?

Zunächst einmal kommt es darauf an, ob es sich um einen akuten oder chronischen Husten handelt und ob die Ursache des Hustens bekannt ist.

Der akute Husten im Rahmen eines Erkältungsinfektes bei ansonsten gesunden Personen bessert sich in der Regel nach 12-14 Tagen spontan. Pflanzliche Arzneimittel bringen Erleichterung und beschleunigen die Besserung. Synthetische Sekretolytika werden häufig verwendet und manche Patienten empfinden eine deutliche Besserung; es gibt aber dazu nur sehr wenig wissenschaftliche Daten. Bei quälendem Reizhusten können auch Antitussiva (Hustenstiller, z.B. Dextrometorphan) benützt werden.

Bei einer COPD und einem chronisch bronchitischen Phänotyp wird es erheblich schwieriger. Hier bildet sich in der Regel vermehrt Schleim, der krankhaft zäh sein kann. Hier wiederum kommen synthetische oder pflanzliche Sekretolytika dann in Betracht, wenn eine subjektive Linderung hierdurch erzielt werden kann. Wir haben derzeit keine wirklich guten hustenstillenden Medikamente ohne Nebenwirkungen. Da es sich bei der COPD meistens um produktiven Husten handelt und das Sekret unbedingt abgehustet werden sollte, kommen Hustenstiller (Codein, bevorzugt Dextrometorphan, in Ausnahmefällen Morphin in niedriger Dosierung) in Betracht, um den Hustenreiz. meistens nur für die Nacht, zu unterdrücken. Doch alle drei Medikamente machen abhängig und führen zu Verstopfung. Die Wirksamkeit weiterer Hustenstiller ist wissenschaftlich wenig belegt.

Bei einem Asthma bedingten Husten verhält es sich wieder anders. Asthma kann in der Regel medikamentös gut kontrolliert werden. Wenn die Asthmakontrolle erst einmal erreicht wurde, klingen nicht nur die Atemnot, sondern auch der Husten ohne zusätzliche Behandlung ab.  Bei einem kleinen Anteil der Asthmapatienten klingt der Husten trotz guter Asthmabehandlung nicht ab, und zwar dann, wenn der Hustenreflex stark überempfindlich ist. Diese Patienten können zusätzlich Hustenstiller bekommen.

Aktuell wird die wissenschaftliche Leitlinie „Akuter und chronischer Husten, Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten“ überarbeitet, deren Fertigstellung in den nächsten Monaten geplant ist. Kann man jetzt schon sagen, welche Neuerungen darin zu finden sein werden?

Wie bereits angesprochen, haben viele Patienten chronischen Husten ohne erkennbare Ursache. Viele Triggerfaktoren können bei einer bestehenden Überempfindlichkeit einen Hustenreflex auslösen. Dieses Konzept der Triggerfaktoren wird gerade neu überarbeitet und ergänzt. Dabei geht es z.B. um Trigger wie das Einatmen von Parfüm, Effekte, wenn man aus der Kälte in die Wärme kommt, wenn man lange redet usw.

Neu wird auch sein, dass der Säurereflux im Magen nicht mehr als Verursacher von Husten in der Leitlinie aufgeführt ist, sondern lediglich als ein möglicher Triggerfaktor, sollte eine Überempfindlichkeit für einen Hustenreflex bestehen.

… mehr Wissen

Sekretmobilisation Im vorangegangenen Beitrag von Dr. Peter Kardos haben Sie mehr über den Zusammenhang zwischen Husten und einer vermehrten Schleimbildung sowie produktiven und unproduktiven Husten erfahren.
Informationen zur Sekretmobilisation und den Möglichkeiten der Atemphysiotherapie finden Sie in der Frühjahrsausgabe der Patienten-Bibliothek / COPD in Deutschland 2016, die Sie auf www.Patienten-Bibliothek.de kostenlos herunterladen und lesen können. Folgende Beiträge wurden veröffentlicht:

  • Atemphysiotherapie: Ein wichtiger Therapiebaustein Dorothea Pfeiffer-Kascha, Wuppertal – Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Atemphysiotherapie, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Atemtheraie im Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V.
  • Bronchialreinigung: Von der Sekretolyse zur Sekretelimination Sabine Weise, München – Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Atemphysiotherapie und Therapeutin für Reflektorische Atemtherapie
  • Sekret lösen – Infekten vorbeugen: Die Vielfältigkeit sekretfördernder Maßnahmen Tessa Schneeberger, Physiotherapeutin (M.Sc.), Wissenschaftliche Mitarbeiterin Schön Klinik Berchtesgadener Land, Schönau und PhilippsUniversität Marburg
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